LERNEN BRAUCHT AUCH HIN UND WIEDER PAUSEN | Unser Gehirn muss manchmal „schnell zurückspulen“

Wie intensiv unser Gehirn neue Erfahrungen verarbeitet, zeigt ein interessantes Experiment amerikanischer Neurowissenschaftler*. Sie beobachteten Ratten, die unterschiedliche Labyrinthe erkundeten. Dabei entdeckten sie ein erstaunliches Phänomen: Während die Tiere unterwegs waren, entstanden charakteristische Aktivitätsmuster in ihrem Gehirn. In den kurzen Pausen danach wurden diese Muster erneut abgespielt – allerdings in umgekehrter Reihenfolge und in einem enorm beschleunigten Tempo. Das Gehirn schien die gerade gemachte Erfahrung gewissermaßen rückwärts abzuspielen.

Verantwortlich dafür ist unter anderem der Hippocampus, eine wichtige Schaltzentrale für Lernen und Gedächtnis. Er hilft dabei, Erlebnisse zu ordnen, miteinander zu verknüpfen und langfristig zu speichern. Während das Gehirn im Schlaf bestimmte Erfahrungen noch einmal in ihrer ursprünglichen Reihenfolge durchläuft, scheint es sie unmittelbar nach einer neuen Erfahrung auch rückwärts zu rekonstruieren. Besonders ausgeprägt war dieser Effekt, wenn die Ratten ein unbekanntes Labyrinth erkundet hatten. Die Wissenschaftler vermuteten, dass das Gehirn dadurch Zusammenhänge zwischen Ereignissen und ihren möglichen Folgen besser abspeichern kann.

Was bedeutet das im FLEXBRAIN.Kontext?

Lernen findet nicht ausschließlich dann statt, wenn wir uns aktiv mit etwas beschäftigen. Auch die scheinbar unproduktiven Momente danach haben eine wichtige Funktion. Das Gehirn braucht Zeit, um neue Eindrücke zu verarbeiten, Verbindungen herzustellen und Erfahrungen in vorhandenes Wissen einzuordnen. Pausen sind deshalb keine verlorene Lernzeit, sondern ein Teil des Lernprozesses. Wer seinem Gehirn ständig neue Informationen zuführt, ohne ihm Gelegenheit zur Verarbeitung zu geben, verschenkt möglicherweise einen entscheidenden Teil seines Lernpotenzials.


* = WISSENSCHAFTLICHER HINWEIS: Die beschriebene Untersuchung von David Foster und Matthew Wilson erschien 2006 in der Fachzeitschrift „Nature“. Die Übertragung des Rattenexperiments auf menschliches Lernen ist bisher aber lediglich eine plausible Anregung, aber kein unmittelbarer Beweis dafür, dass beim Menschen exakt derselbe Mechanismus abläuft.

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